Bin jetzt auch im Facebook
Einweggeschichten zur Förderung des kommunikativen Verständnisses
Sie sind sicher auch im Facebook? Noch nicht? Also dann los. Denn Sie sollten sich unbedingt auch dem Social-Media-Networking-interactiv-Friendship-Web2.0-Trend anschliessen. Sonst hat man ja keine Ahnung mehr, was so läuft in der Welt. Klar, wir wissen, was gerade in Syrien und dem dortigen Regime läuft, warum Griechenland immer noch Schulden hat.
Wenn Sie im Facebook sind, wissen Sie, wer dieser Typ ist, der ständig bei Ihrer Nachbarin sitzt. Sie wissen dann nämlich, dass sie gerade letzte Nacht wieder zusammen…..ja, sie können es sich ja denken. „Danke für die schöne Nacht“ – Pinnwandeintrag 1. Pinnwandeintag 2: „jo Schatz, isch super gsi“. Ja, das ist natürlich schon ein Vorteil. Schliesslich sollen das auch alle Freunde wissen. So Pinnwandeinträge sind schon gut
Stellen Sie sich vor. Sie stehen am Kochherd und haben das Gefühl, dass es heute so richtig lange dauerte, bis Ihr Schnitzel durch war. Schlussendlich aber müssen Sie sich sagen, dass es sich gelohnt hat. Zart und saftig. Früher mussten Sie sich nämlich alleine darüber freuen. Heute aber ist das ganz anders.
Wenn Sie im Facebook sind, können Sie sofort mit Ihrem Handy auf die Pinnwand schreiben und all Ihren 237 Freunden mitteilen: „„Mis Blätzli isch super guet worde – lol“. Dann auf Klick und interaktiv: „Kommentar abgeben oder gefällt dir das anklicken“. Und Sie werden sehen, nach kurzer Zeit ist das Resultat da: 16 Ihrer 237 friends finden das gut, dass Ihr Schnitzel heute so saftig und zart ist. „Gefällt mir“. Das sind eben soziale Kontakte, die ja sonst wirklich viel zu kurz kommen.
Wenn Sie dann im Facebook sind, können Sie endlich auch wieder guten Gewissens auch mit sportlich gedrängten Terminkalendern in Vereine. Nein, nicht Musik oder Turnverein. Das ist ja nun wirklich vorbei. Jeden Dienstag in einen muffigen Saal sitzen und etwas an der Trompete blasen, bis der Dirigent mich massregelt und alle zusammen in den Hirschen die „Lampe füllen“ gehen.
Nein, Sie können in unzählige Facebook-Gruppen. Zum Beispiel sah ich letzthin eine solche: „Kann-mir-jemand-sagen-warum-alle-Männer-doof-sind-Gruppe“ – da müssen Sie sich als Mann einschleichen und endlich zu erfahren, wie das mit den Frauen so geht. „Du-siehst-aus-wie-dein-T-Shirt“ – das ist meine Lieblingsgruppe. Ja, da kann man talken und chatten und über Schlankheits- und ästhetische Ideale und sehr tiefgründig und profund diskutieren.
Wenn Sie dann im Facebook sind, finden Sie z.B. auch heraus, dass der Freund der anderen Nachbarin vom unteren Stockwerk den Beziehungsstatus auf „ist etwas schwierig“ gesetzt hat. Sie aber selber „glücklich in einer Beziehung“. Ja, das lässt dann tief blicken und das würden Sie nie erfahren, wenn Sie mir Ihr nur so auf dem Gang plaudern.
Facebook ist schon gut. Da sehen Sie nämlich gerade, wer Zeit für Sie hat. „Dominik ist gerade online“ – ja klar, da müssen Sie sich gar nicht erst überlegen, ob er jetzt zu Hause ist oder nicht. Er ist.
Ach ja, und wo lesen Sie jetzt diesen Text? Melden Sie ihn doch gleich via Facebook weiter, wenn Sie möchten.
Auf Wiederlesen.
Ausgabe 12.2011 © Stefan Häseli